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a) "gelenktes Erforschen"

Optimal wäre es, auch beim "gelenkten Erforschen" mit den Schülerinnen und Schülern der Partnerschule gemeinsam vorzugehen. Das setzt voraus, dass diese für die Arbeit - meist in Form von Erkundungen, Interviews, Sammeln von Material außerhalb der Schule - vom Unterricht befreit werden oder einen Teil ihrer Freizeit dafür aufwenden. Dies wird auf Probleme stoßen, besonders bei der Freistellung von Unterricht. In mancher Hinsicht ist es daher leichter, deutsche Schülerinnen und Schüler während des Austausches allein, d.h. in Gruppen ohne ihre Partner arbeiten zu lassen. Es zwingt sie auch, ihre Sprachkenntnisse einzusetzen, ohne auf die Hilfe der Partner zurückgreifen zu können.

Bei der Wahl der Themen für diese Arbeitsform kann den Teilnehmern in großem Umfang freie Hand gegeben werden; sie sollen die Inhalte weitgehend selber bestimmen. Nur wenn ein Sachbereich zu umfangreich ist oder seine Erforschung praktisch unmöglich wäre, muss beratend eingegriffen werden. Die Schülerinnen und Schüler können sich während ihres Aufenthaltes mit allem Möglichen beschäftigen, sofern sie nur durch eigene Beobachtung, Fotografieren oder Filmen, Interviews und Sammeln von Informationsmaterial zu dokumentierbaren Ergebnissen kommen. Immer wieder beliebt sind Themen wie

Besonders sinnvoll sind interkulturelle Vergleiche zwischen dem Gastland und Deutschland. Ansonsten sind der Phantasie wenig Grenzen gesetzt; vieles ergibt sich aus den lokalen Gegebenheiten. Eine Spezialisierung muss allerdings die sprachlichen Fähigkeiten der Schülerinnen und Schüler berücksichtigen.

Im allgemeinen werden die Schüler in Gruppenarbeit einzelne Themen angehen. Größere Gruppen sollten so geteilt werden, dass sie Teilbereiche bearbeiten, um zu verhindern, dass Einzelne als Mitläufer in einer größeren Zahl selber nicht mehr ihre Sprachkenntnisse anzuwenden brauchen. Die Projektleiter tun gut daran, auf die Gruppenzusammensetzung Einfluß zu nehmen. Freundschaftsbeziehungen sind nicht immer eine tragfähige Basis für erfolgreiches Erkunden, und jede Gruppe braucht besonders engagierte Teilnehmer, um ein zufriedenstellendes Produkt zu erarbeiten.

Nach Auswahl der Themen und Einteilung der Gruppen werden in der vorbereitenden Arbeitsgemeinschaft die Inhalte vorstrukturiert und mögliche Unterthemen gefunden. Dann werden Möglichkeiten der Umsetzung und Durchführung überlegt (z.B. anzusprechende Institutionen, Interviewpartner, Motive für Fotos, Orte für eigene Beobachtung). Daneben brauchen die Schülerinnen und Schüler für ihren Themenbereich den passenden Wortschatz in der Fremdsprache und sie müssen diejenigen Redemittel einüben, die sie z.B. bei Befragungen oder bei der Suche nach Informationsmaterial benötigen.

Mit der Partnerschule sollte vorab geklärt werden, ob ein Raum und eventuell andere Ressourcen für die Projektarbeit zur Verfügung gestellt werden können.

Die Ergebnisse der Teilprojekte müssen in geeigneter Form dokumentiert werden. Dafür eignet sich eine Reihe von Produktformen mit großen Unterschieden in Wirkung, Aufwand und Kosten. Technisch und finanziell einfach herzustellen sind ein Tagebuch, eine Broschüre oder ein Magazin, bei Nutzung eines Computers auch eine Zeitung oder Internet-Seiten (etwa als Teil einer schuleigenen Website). Die Möglichkeiten zur inhaltlichen Gestaltung sind kaum begrenzt, und sehr viele Teilnehmer können mitarbeiten. Die zu produzierenden Texte zwingen zur Anwendung der Fremdsprache, wobei vielfältige Möglichkeiten der Differenzierung bestehen. Tonaufnahmen lassen sich ebenso einbauen wie grafische Elemente, also Fotos, Realien und Illustrationen, die auch selber angefertigt werden können. Die Beiträge können schon während des Austausches geschrieben, dann nachträglich beliebig verbessert werden. Farbige Gestaltung ist mit dem Farbkopierer oder dem Farbdrucker und bei Webseiten möglich. Wer das preiswerte Schwarz-Weiß-Kopieren einsetzt, sollte darauf achten, dass handschriftliche Texte mit schwarzer Tinte auf weißes Papier geschrieben werden und die Illustrationen möglichst kontrastreich sind (Schwarz-Weiß-Fotos). Das Produkt ist beliebig oft reproduzierbar und kann jedem Teilnehmer ausgehändigt oder am Bildschirm betrachtet werden. Allerdings verlangt eine in Form und Inhalt ansprechende Gestaltung von den Schülerinnen und Schülern etwas Kreativität, Engagement und Geduld.

Ausstellungen mit Fotos und thematischen Postern, die mit Texten und authentischem Material ergänzt werden, erfordern einen gewissen Aufwand (Kameras und Filme) und sind dadurch nicht so preiswert. Andererseits sind die Ergebnisse besonders anschaulich und für eine öffentliche Präsentation sehr geeignet. Schülerinnen und Schüler fotografieren meist gern, brauchen aber fachliche Vorbereitung, wenn die Fotos ansprechend und verwertbar werden sollen. Der sprachliche Einsatz beim Fotografieren ist minimal; erst die Aufarbeitung zusätzlichen Materials zur Kommentierung der Fotos und zur Darstellung eines Themenbereichs erfordert sprachliches Können. Ausstellungen können in relativ kurzer Zeit erstellt werden und eignen sich z.B. zur Präsentation im Schulgebäude.

Für das Aufnehmen von Videofilmen gilt ähnliches. Auch mit einem guten Camcorder müssen die Schülerinnen und Schüler vorher das Aufnehmen geplant und geübt haben, wenn man typische Fehler vermeiden will, die zu unbefriedigendem Filmmaterial führen und die spätere Verwendung erschweren. Sofern nicht vor allem Interviews aufgenommen werden, ist der sprachliche Nutzen auch hier begrenzt. Die Bearbeitung des gedrehten Materials an einem Schneideplatz ist arbeitsaufwendig, und geeignete Anlagen sind relativ rar. Hier wie auch beim Filmen selbst können nur wenige Projektteilnehmer mitwirken. Deutliche Vorteile von Videofilmen sind ihre leichte Reproduzierbarkeit und ihre Eignung für eine Präsentation.

Ton-Dia-Shows, eine gelegentlich verwendete Produktform, sind in ihren Vor- und Nachteilen dem Fotografieren und dem Videofilmen ähnlich. Sie erfordern einen gewissen Aufwand bei der Vorführung.

Eine Radioreportage ist eine seltener genutzte Produktform. Ihre Einsatzmöglichkeiten sind recht begrenzt; eine Verwendung kommt am ehesten im Unterricht in Frage. Andererseits verlangt die Herstellung einer Reportage mit selbstgeschriebenen Texten, Interviews und Musik von den Schülerinnen und Schülern einiges an sprachlicher und organisatorischer Leistung, kommt also den Zielen eines Austausches entgegen. Für die Aufnahmen ist ein leistungsfähiger und damit recht teurer Recorder empfehlenswert.