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2.5 Mögliche Probleme auf der Seite der Partner

Auf der Seite der Partnerschulen ist manchmal das Alter der Schülerinnen und Schüler breiter gestreut, d.h. sie kommen aus verschiedenen Jahrgängen, da zum Beispiel dann, wenn Deutsch nicht die erste Fremdsprache ist, die Schülerzahlen in einem Jahrgang oft nicht für einen Austausch ausreichen. Daraus können sich Schwierigkeiten entwickeln, für unsere Teilnehmer altersmäßig geeignete Partner zu finden. Auch verfügen die Gäste häufig nur über sehr geringe Deutschkenntnisse, da ihr Deutschunterricht spät einsetzt und nur wenige Wochenstunden umfasst.

Diese Defizite müssen jedoch vielfach hingenommen werden, um überhaupt nennenswerte Gruppengrößen zu erreichen. Auch profitieren die deutschen Teilnehmer letztlich auch davon, dass manchmal die Fremdsprache bei beiden Teilen des Austausches als Verständigungsmittel dominiert.

Bei Austauschprogrammen mit Großbritannien hat es sich gezeigt, dass deutsche Schülerinnen und Schüler im allgemeinen recht gut mit britischen Partnern zurechtkommen, die etwa ein Jahr älter sind als sie, während umgekehrt leichter Probleme auftreten können. Grund dafür ist, dass unsere Jugendlichen häufig etwas selbstbewusster und reifer wirken als ihre gleichaltrigen britischen Partner. Über die Gründe kann ausgiebig spekuliert werden; das Bestehen der Unterschiede wird jedenfalls von vielen deutschen wie britischen Lehrerinnen und Lehrern festgestellt.

In manchen Partnerländern, z.B. in Großbritannien, besitzt Fremdsprachenunterricht traditionell eine geringeres Gewicht als in der Bundesrepublik, und eine Internationale Begegnung hat dort im Bewusstsein von Eltern und Jugendlichen oft einen weniger hohen Stellenwert als bei uns, zumal solche Fahrten häufig innerschulisch in Konkurrenz stehen mit attraktiven, eher touristischen Schulfahrtangeboten, wie das deutsche Schulsystem sie nicht kennt. Auch daraus können Probleme bei der Organisation von Begegnungen entstehen.

Beim Umgang mit den ausländischen Kolleginnen und Kollegen sollte schließlich nicht vergessen werden, dass für diese in vielen Ländern die Durchführung eines Austausches eine höhere Belastung darstellt als für deutsche Lehrerinnen und Lehrer. Oft sind die Arbeitszeiten länger, die Bezahlung geringer, und Reisekostenerstattung durch den Dienstherrn gibt es nicht. Von daher hängt der langfristige Erfolg einer Schulpartnerschaft häufig vom Engagement der ausländischen Lehrerinnen und Lehrer ab, die die Aufgabe der Organisation und Durchführung der Begegnungsprogramme übernommen haben und dafür ein erhebliches Maß an Überstunden leisten. Man sollte daher Verständnis haben, wenn gewünschte Fristen nicht eingehalten werden, die Organisation improvisiert und wenig perfekt wirkt oder die Programmgestaltung nicht den deutschen Wünschen nach einer projekt- und handlungsorientierten Begegnung entspricht.