Mülheim an der Ruhr: Die Entwicklung der Stadt

Einwohnerzahlen und Stadtbild


Mülheim 1822 Mülheim 1822

Wegen der aufstrebenden Kohlen- und Metallindustrie und der daraus folgenden wachsenden Schifffahrt werden 1750 Schleusen und Häfen an der Ruhr gebaut. Dadurch entstehen Arbeitsplätze und viele Menschen siedeln sich an der Ruhr an.

1792 hat Mülheim 11.572 Einwohner. Wegen der steigenden Zahlen bekommt es 1808 das Stadtrecht. 1822-1846 steigen die Einwohnerzahlen um das Dreifache.

Mülheim 1840 Mülheim 1840

Um die Bedeutung der wachsenden Stadt hervorzuheben, schlagen der damalige Bürgermeister Weuste und der Düsseldorfer Baumeister Adolf von Vagedes 1819 einen Plan zur Vergrößerung und Verschönerung Mülheims vor. Bisher hatte der Ort noch kein repräsentatives Stadtbild; es gab noch keine gepflasterten Straßen, jeder baute, wie er wollte. Daher wirkte Mülheim sehr irregulär und jeder versuchte nur sein eigenes Grundstück zu verschönern.

Kettwiger Str Die Kettwiger Straße

Baumeister von Vagedes hatte einen originellen Plan: Ein dreieckiger Platz und nach französischem Vorbild einen Boulevard in großzügiger Breite von 40 Metern - für Fußgänger und Kutschen. Der Boulevard soll einen sichtbaren Zielpunkt erhalten: Point de vue ist eine Schifferbörse. Doch der Plan des Düsseldorfer Baumeisters wird nicht einmal in Ansätzen realisiert, weil erstens die Eigentümer ihre Grundstücke nicht zur Verfügung stellen wollen und zweitens die Stadt kein Geld hat.

Vagedes-Plan Der Vagedes-Plan von 1819

Aber eine Kleinigkeit wird 1839 doch verändert: Der Markt, der vorher am Kirchenhügel lag, wird an die heutige Stelle verlegt. 2 Jahre später entsteht das erste Rathaus.

Die Einwohnerzahlen steigen weiter an; 1845 ist Mülheim mit 25.088 Einwohnern die größte Stadt im Ruhrgebiet. Es entstanden Arbeitersiedlungen wie z. B. Mausegatt (1900- 1905) und Rosenblumendelle (1905- 1909). Ab 1904 erweitern Styrum, Speldorf, Broich, Saarn, Holthausen, Heißen, Fulerum, Winkhausen und Dümpten durch Eingemeindungen die Stadt. Mülheim hatte zwar an der Entwicklung des übrigen Ruhrgebiets teilgenommen, seine führende Stellung aus der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts jedoch eingebüßt.

Um 1900 hatte Mülheim immer noch keine geprägte Innenstadt. Erst ab 1910 erhält es dann endlich ein repräsentatives Stadtbild: Das neue Rathaus, das städtische Museum, das Stadtbad und die Stadthalle werden gebaut. 1930 werden ein großer Hauptfriedhof und ein Flugplatz angelegt.

Rathaus Das neue Rathaus
Die Stadthalle Stadthalle

Im Juni 1943 wurde Mülheims Innenstadt durch einen Bombenangriff der Alliierten stark zerstört. Erst 1977 waren die Wiederaufbauarbeiten abgeschlossen.

In der Aufbauphase der Nachkriegszeit hatte Mülheim die meisten Einwohner aller Zeiten: 191.780. Die Einwohner nahmen allerdings schnell wieder ab, weil Zechen und Fabriken geschlossen wurden und viele Menschen fortzogen.

Heute hat Mülheim ca. 170.000 Einwohner.


Industrialisierung

1819 begann die Industrialisierung Mülheims. In der Nähe der Ruhr entstanden erste Fabriken, wie z.B. eine Tabakfabrik, eine Tuchfabrik, die Broicher Papiermühle und die Eisenhütte Dinnendahl.

Eisenhütte Dinnendahl Die Eisenhütte Dinnendahl

Kohle wurde auf "Schienenbahnen", auf denen Zugpferde eingesetzt wurden, zur Ruhr transportiert und dort auf Schiffe geladen. Die größte Mülheimer Reederei war damals Stinnes. Durch die Mülheimer Schleuse war die Ruhr Richtung Kettwig befahrbar und wurde zum wichtigsten Handelsweg. Doch es entstanden auch neue Straßenverbindungen, z.B.1839 die Aktienstraße.

Um 1850 entwickelte sich die Industrie in Mülheim lebhaft. Die Eisenhütte Dinnendahl wurde der wichtigste Betrieb. Es entstanden eine Ziegelei und die Zinkhütte.

Der zunehmende Handel machte den Bau eines Hafenbeckens notwendig, in dem die ersten Dampfschiffe vor Anker gingen; über die Ruhr wurde auch eine Kettenbrücke gebaut.

Kettenbrücke Die Kettenbrücke

Doch nach 1860 ließ die Schifffahrt nach und der Schienenfrachtverkehr nahm zu. 1862 erhielt MH Anschluss an das Eisenbahnnetz. Die wichtigste Eisenbahnstrecke war die Verbindungen Duisburg - Mülheim - Essen - Dortmund.

1871 gründet August Thyssen in Styrum ein Eisenwalzwerk das schnell wächst und ab 1878 auch Rohre produziert. Durch die Ruhrtalbahn siedeln sich auf dem linken Ruhrufer um 1910 die Gerberei- und Lederindustrie an. 1930 werden in Speldorf der neue Ruhrhafen und der Ruhrschifffahrtskanal eröffnet.

Hütte mit Schiffen
Die Friedrich-Wilhelm-Hütte
mit Ruhrschiffen

Heute sind viele Wunden der hektischen Industrialisierung, einer Art Kolonisations-zeit, verheilt, andere noch deutlich sichtbar.