Deutschland in der Industriellen Revolution


1. Bevölkerungswachstum und Bevölkerungsbewegung

2. Verkehr und Transport

3. Entwicklung der Technik

4. Unternehmer und Kapital

5. Kinderarbeit

6. Wohn- und Lebensbedingungen der Arbeiter

7. Die Lebensweise des Bürgertums

8. Soziale Kämpfe und soziale Sicherung



1. Bevölkerungswachstum und Bevölkerungsbewegung

Mehr Menschen - mehr Arbeitsplätze

Die Industrielle Revolution hing eng mit dem Wachstum der Bevölkerung zusammen. Beide bedingten sich gegenseitig. Im 18.Jh. in England und im 19. Jh. in Deutschland blieben die großen Seuchen aus, und es gab auch keine verheerenden Kriege. Die Zahl der Sterbefälle ging zurück, die Geburtenzahl aber blieb gleich. Weil weniger Säuglinge und Kleinkinder starben, entstand ein Geburtenüberschuß. Der Rückgang der Sterblichkeit hatte viele Gründe :
1. Die Menschen konnten sich besser ernähren,
2. Kleidung wurde billiger,
3. man achtete mehr auf Sauberkeit.
Eine Umwälzung der Landwirtschaft hatte es im Laufe des 18.Jh. zuerst in England gegeben. Nach rund 1000 Jh. war man von der Dreifelderwirtschaft zum jährlichen Fruchtwechsel übergegangen. Jetzt baute man ein Jahr Wintergetreide, ein Jahr Sommergetreide und ein Jahr Hackfrüchte oder Klee an, und die Brache fiel weg. Außerdem teilte man den Gemeinschaftsbesitz (Weide, Wald, sumpfige Wiesen) auf und schuf geschlossene große Anbauflächen. Dadurch mußten kleinere Landwirte ihre Grundstücke abgeben und als Lohnarbeiter bei einem Großgrundbesitzer arbeiten. Immer mehr Menschen entschlossen sich in die Stadt zu ziehen, um den Lebensunterhalt in einer Fabrik zu verdienen. Aber nicht alle hatten Glück in der Stadt, weil die Löhne niedrig blieben, und viele mußten in elenden Wohnungen leben.

Duisburg-Marxloh Verstädterung:
Duisburg-Marxloh im 19. Jh.

Landflucht und Verstädterung

Um 1800 hatten noch drei Viertel der Deutschen auf dem Land gewohnt, ein Viertel in Gemeinden mit mehr als 2000 Einwohnern und 3% in Großstädten. 1910 gab es in Deutschland dann 48 Großstädte. Zuerst verschlechterte sich die Lage der Landbevölkerung. In schlechten Erntejahren brach eine Hungersnot aus (besonders 1770, 1816, 1847). In der Hungersnot waren manche sogar gezwungen Heu, Hunde und Katzen zu essen, um nicht stehlen zu müssen.Manche plünderten aber die Bäckerläden und raubten Getreidelager aus.

Erst als immer mehr Bauern in die Großstadt zogen, ging die Verarmung zurück. Die Landflucht führte zu einer wahren Völkerwanderung vom Dorf in die Stadt. Millionen kamen aus den ländlichen, teils polnischsprachigen Gebieten Ostdeutschlands in die westlich gelegenen Industrieregionen wie Berlin, Sachsen und das Ruhrgebiet. Sie alle suchten Arbeit in den Fabriken. Viele, die nicht die Möglichkeit hatten Geld zu verdienen, wanderten aus. Um 1800 hatte es in Deutschland rund 80.000 Fabrikarbeiter gegeben; um 1850 stieg die Zahl der Arbeiter auf rund 800.000; bis etwa 1910 wuchs die Arbeiterschaft auf 8 Mio., d.h. etwa 30% der Beschäftigten an. Der Anteil der Selbstständigen fiel auf knapp 20%. Um 1800 hatte er noch 50% betragen, wovon freilich die meisten Kleinbauern und kleine Handwerker waren, die kaum was erwirtschafteten.