4. Unternehmer und Kapital

Seit Anfang des 19. Jahrhunderts war in Deutschland jeder frei, den Beruf zu ergreifen, den er anstrebte. Können und Leistung waren gefragt. Manchem Handwerker gelang der Aufstieg zum Techniker und Fabrikanten. Viele Unternehmer waren sparsam, fleißig und zielstrebig. Sie produzierten mehr, als sie brauchten, und steckten die Gewinne wieder in den Betrieb. Auch der Staat gab den Unternehmern Startkapital, vermittelte Arbeitskräfte, stellte Gebäude zur Verfügung und förderte den Absatz von Industriewaren aus dem eigenen Land.Am wirkungsvollsten waren staatliche Maßnahmen bei der Infrastruktur: beim Bau von Straßen, Kanälen, bei der Förderung von Schulen. Auch der Abbau der Zollschranken im Zollverein trug maßgeblich zur Beschleunigung der Industrialisierung bei.


Krupp
Alfred Krupp

Männer wie Friedrich Harkort oder Friedrich Krupp legten den Grundstein für die Entwicklung des Ruhrgebietes zum Industriezentrum. Als Schmiedemeister hatte Krupp 1811 in Essen eine Fabrik zur Fertigung des englischen Gussstahls und aller daraus resultierenden Fabrikate gegründet: Der Meister arbeitete zusammen mit zwei Angestellten. Sein Sohn Alfred führte als erster die moderne Stahlerzeugung nach den Bessemer- und Siemens-Martin-Verfahren auf dem Kontinent ein. Als seine bedeutendste Erfindung betrachtete Alfred Krupp die des nahtlosen Eisenbahnrades (1854) - die Voraussetzung für schnelleren und sicheren Transport auf der Schiene. Aber noch vor den Eisenbahnrädern hatte Krupp für seine Firma einen weiteren wesentlichen Anwendungsbereich für Stahl entdeckt: Kanonen. Zwischen 1850 und 1860 schaffte Alfred Krupp den Durchbruch: Der Umsatz, inzwischen in Millionenhöhe, verdreifachte sich, die Belegschaft wuchs um das Siebenfache an.