6. Wohn- und Lebensbedingungen der Arbeiter

Kinderarbeit ist bei uns heute verboten. Vor 150 Jahren mussten die Kinder selbstverständlich arbeiten. 1825 arbeiteten zum Beispiel in einer rheinischen Spinnerei bei Tag 95, bei Nacht 80 Kinder. Die Arbeitszeit dauerte im Sommer von 7 Uhr früh bis 9 Uhr abends, im Winter von 8 Uhr früh bis 9 Uhr abends. Die kleineren Kinder bekamen in dieser Fabrik bis zu 2 Silbergroschen, die größeren 3 Silbergroschen täglich. Die Arbeitszeit betrug durchschnittlich 10 bis 15 Stunden.

Wohnungselend Wohnungselend einer Arbeiterfamilie um 1900

In den immer schneller wachsenden Industriestädten baute man billige Wohnviertel für die Arbeiterschaft, meist mehrstöckige Mietskasernen mit mehreren Hinterhöfen. Tür an Tür lagen kleine Räume, jedes Zimmer oft von 6 und mehr Personen bewohnt. Die jungen Arbeiter verließen beim Morgengrauen das Haus und kamen erst am Abend zurück. Dann waren sie so müde, das sie gleich schlafen wollten. Deshalb entwickelte sich das Schlafstellentum: Die jungen Arbeiter konnten sich lediglich eine Schlafstelle in dem von der Familie des Vermieters meistens bereits voll genutzten Wohnraum leisten - eine Lagerstelle, nicht mehr, und auch diese nur für Stunden. Aber nicht nur Einzelstehende, auch Familien besaßen in der Regel nur einen Raum, der Koch-, Wohn- und Schlafraum war. In Berlin gab es 1895 27.471 Wohnungen mit einem Zimmer und sechs und mehr Bewohnern.