7. Die Lebensweise des Bürgertums

Eine neue soziale Schicht bildete sich, die Arbeiterschaft. Ihr wichtigster Gegner war das Bürgertum, wenn es daneben auch noch den Adel sowie die Bauern gab, so dass manche von vier Klassen der Gesellschaft sprachen. Viele Handwerksgesellen machten sich selbständig; die Konkurrenz wurde aber immer größer, und nicht selten brachen diese Betriebe nach kurzer Zeit zusammen. Ihre Inhaber verarmten und waren von Unterstützung abhängig. Manchen Kaufleute, Handwerkern oder Verlegern gelang es jedoch, Großhändler oder Fabrikant zu werden. Auch die Ärzte, Apotheker, Advokaten, Gelehrten, Gymnasialprofessoren gewannen eine geachtete Stellung und zählten - wie auch die Geistlichen - zu den “Honoratioren” der Gesellschaft.

bürgerliche Familie Eine bürgerliche Familie um 1900

Die Söhne aus dieser Schicht besuchten das Gymnasium, und später wurde es üblich, dass diejenigen, die nicht studieren wollten, den Abschluss der Untersekunda erhielten. Sie konnten damit erreichen, dass sie in einem einjährigen Militärdienstzeit zum Reserveleutnant aufstiegen. Das bedeutete: Sie zählten auf Grund von Rang und Uniform zur besseren Gesellschaft. Nach den Regeln des Bürgertums lebte man bürgerlich, wenn man gepflegte Kleidung trug, eine gut eingerichtete Wohnung hatte, Besuche empfing und genügend Geld hatte, um Söhne studieren zu lassen oder Töchtern eine reiche Aussteuer zu geben. Allerdings bestanden große Unterschiede innerhalb des Bürgertums; dies ist zum Beispiel aus den Gehaltsabstufungen bei Beamten abzulesen. Amts- und Justizräte verdienten z.B. rund zehnmal so viel wie ein Bürodiener einer Behörde.