Fabrikarbeit:
Reglement für die mechanische Werkstatt
der Friedrich-Wilhelms-Hütte
1854


Friedrich-Wilhelms-Hütte Die Friedrich-Wilhelms-Hütte
in Mülheim



Alle Arbeiter der mechanischen Werkstatt haben sich folgenden Bestimmungen zu unterwerfen:

§ 1

Jeder Arbeiter hat die bestimmte Arbeitszeit, in den Sommermonaten vom 22. März bis ult. October von des Morgens 6 bis Abends 7 Uhr, und in den Wintermonaten vom 21. October bis ult. März, von des Morgens 7 bis Abends 7 Uhr pünktlich einzuhalten. Wer zu spät kommt, wird nicht zur Arbeit zugelassen.

§ 2

Wer des Mittags oder des Abends vor dem Läuten seine Arbeiten einstellt, oder sich aus der Werkstatt entfernt, wird mit Entlassung bestraft.

§ 3

Jeder Arbeiter ohne Ausnahme, muß, wenn er auch nur ¼ Tag von der Arbeit entfernt bleiben will, solches unter Angabe der Gründe dem betreffenden Meister angeben. - Wer dieses unbeachtet läßt, bezahlt für den 1ten 5 Sgr., im Wiederholungsfall 10 Sgr. und kann sogar ohne weitere Umstände entlassen werden.
Als einzige Ausnahme hiervon soll berücksichtigt werden, wenn ein Arbeiter krank wird, und hat nicht sofort Gelegenheit, dieses seinem Meister anzuzeigen.

§ 4

Wer betrunken zur Arbeit kommt, oder sich während der Arbeitszeit betrinkt, bezahlt im ersten Fall 10 Sgr. und wird im Wiederholungsfalle entlassen.

§ 5

Wer Streit oder Schlägereien in der Werkstatt anfängt, oder dazu Veranlassung giebt, wird mit 15 Sgr. bestraft, oder nach Umständen sofort entlassen.

§ 6

Wer Branntwein während der Arbeitszeit holen läßt, oder Jemand dazu zwingt, solchen zu holen, bezahlt das l. Mal 10, das zweite Mal 15 Sgr. und wird im Wiederholungsfalle gänzlich entlassen.

§ 7

Jeder Beamte der Friedrich-Wilhelms-Hütte ist verpflichtet, strenge auf die Beobachtung der §§ 4. 5. und 6. zu achten.

§ 8

Allen Arbeitern unter 16 Jahren und sämtlichen Lehrlingen ist das Rauchen in der Werkstatt untersagt.

§ 9

Wer muthwilliger Weise Werkzeuge oder sonstige Utensilien der Hütte angehörend, zerstört oder unbrauchbar macht, wird, nachdem er den angerichteten Schaden ersetzt hat, ohne Weiteres entlassen.

§ 10

Von dem Meister Eichholtz wird ein Schrank eingerichtet, der die verschiedenen Arten von Bohrer, sowie sonstige Werkzeuge, die nicht jeder Arbeiter bedarf, enthält. Wer ein solches Stück zum Gebrauch entleiht und nicht nach Bedarf zurück bringt, wird bestraft. Es soll hierüber besonders bestimmt werden.

§ 11

Jedem Arbeiter sollen seine nöthigen Gerätschaften verzeichnet übergeben werden, für dessen richtige Ablieferung bei etwaigem Abgange, oder bei vorkommender Revision derselbe verantwortlich ist und Fehlendes von seinem Lohne zu ersetzen hat. Alle Geräthschaften sollen mit einer Nummer versehen sein, an welcher letzteren zu ersehen ist, welchem Arbeiter es angehört. Der betreffende Material-Verwalter wird sich mit der Führung der obigen Bestimmungen betreffenden Bücher und Notizen befassen.

§ 12

Wer Unrath oder Schutt nicht auf die dazu bestimmte Stelle bringt, bezahlt 2½ Sgr. Strafe.

§ 13

Wer beim Abdrehen oder Feilen von Messing und Kupfer nicht die dazu bestimmten Kasten unter den Dreh-, Hobel- und Feilbänken gebraucht, oder Messing zwischen Eisenspäne kommen läßt, bezahlt jedes Mal 2½ Sgr. Strafe.

§ 14

Außer den gesetzlichen Feiertagen soll an allen andern Tagen des Jahres, an Mülheimer Kirmessen aber blos Morgens gearbeitet werden.

§ 15

Meister Eichhoitz ist verpflichtet darnach zu sehen, daß jeder Arbeiter seine ihm aufgegebene Arbeit vorschriftsmäßig und fleißig erfüllet, sowie auch auf Ordnung eines jeden Einzelnen in der Werkstatt zu achten.

§ 16

Während der Arbeitszeit unnütze Reden mit einander führen, Frühstücken, oder Vor- oder Nachmittags außer der dazu bestimmten Zeit Kaffee kochen oder trinken, ist bei einer Ordnungsstrafe von 2½ und 5 Sgr. im Wiederholungsfalle untersagt.
Die oben angeführten Strafgelder sollen zur Krankenkasse abgeführt werden, und ist deshalb vom Meister Eichhoitz strenge darauf zu achten, daß solche vorkommenden Falles gehörig eingezahlt werden.

Mülheim an der Ruhr, den 1. Mai 1854.